Abschlussbericht Bolivien von Jule und Ellen!

Das war ‘s dann wohl…

Etappe Zwei ist zu Ende und grundsätzlich kann man sagen, die eindeutig schwierigere Etappe liegt hinter uns.

Zunächst aber ein paar Zeilen zu den vergangenen vier Wochen: Nachdem wir schon fast die Hoffnung aufgegeben hatten, tatsächlich noch mal bolivianische Mitfahrer zu finden, haben sich doch noch zwei kühne Radler aus Sucre gefunden, die mit uns die Strecke Potosi-Uyuni fahren wollten.

Reynaldo und Nikolas nahmen allerdings an, dass wir fast so schnell wie der Bus seien (der ungefähr sechs Stunden braucht) und dachten wohl, wir seien spätestens einen Tag später in Uyuni.

Ungläubige Blicke, als wir ihnen eine geschätzte Fahrtdauer von 6 Tagen gebärdeten. Tja, nun kamen sie aber nicht mehr raus aus der Nummer und fröhlich ging es bergauf und bergab auf steiniger Strasse durchs Altiplano, vorbei an Häusern, denen unverkennbar die nahenden Wahlen anzusehen waren. Viele der überwiegend aus Lehmziegeln gebauten Hütten waren blau-weiss angemalt und trugen die Schriftzüge der M.A.S., der Partei von Evo Morales, dem derzeitigen Präsidenten Boliviens. Die Landbevölkerung Boliviens steht scheinbar hinter seinem Präsidenten (der die Wahl am 6. Dezember übrigens gewonnen hat). Die Wahl behinderte unser Projekt übrigens dahingehend, als dass jeder Bolivianer, der nicht wählen geht, für drei Monate keine Transaktionen an seinem Bankschalter tätigen kann (wirklich, das erklärt natürlich die hohe Wahlbeteiligung von 94%). Außerdem wurde für zwei Tage der Verkehr in Bolivien lahmgelegt, Busse hatten Fahrverbot, damit auch alle schön zu Hause bleiben. Das hieß für uns: rund um dieses Datum hatten wir mal wieder keine Mitfahrer.

Naja, dass Bolivien ein leicht schräges Land ist, wussten wir ja bereits.

Aber wir sind nicht die einzigen, die dieses Land dennoch fasziniert.

Eines Abends, nach einem Tag, der uns wiedermal an unsere Grenzen brachte (der steinige Weg schlängelte sich konstant in die Höhe), trafen wir kurz nach dem Gipfel einen Kanadier, der uns mit einigen nützlichen Infos bzgl. der letzten 100 km versorgte.

In der Dämmerung kamen wir nach einer tollen Abfahrt in Ticatica an, einem kleinen Dorf, in dem wir überraschender Weise auf ein gehörloses Mädchen trafen.

Unsere kontaktfreudigen bolivianischen Mitfahrer waren sichtlich angetan und versuchten mit ihr zu kommunizieren. Da erlebten wir erstmalig, wovon uns bereits einige Gehörlose erzählt hatten. Gehörlose Kinder, die in kleinen Dörfern aufwachsen und aus welchen Gründen auch immer keine Schule besuchen. Sie können sich kaum mit ihrer Umwelt, sei sie gehörlos oder hörend, verständigen. Ein echter Schock!

Nach weiteren regenfreien Tagen auf dem Rad holte uns das schlechte Wetter (immerhin ist momentan ja auch Regenzeit!) 20 km vor Uyuni mit Blitzen, Hagel und Sintflutregen ein… Seba, unser Blitzexperte, ordnete in gewohnt fachmännischer Art und Weise an: “Schnell weg von den Rädern, dort in die Kuhle, hinhocken und Entfernung sowie Anzahl der Blitze ermitteln!”
Eine halbe Stunde später machten wir uns mit eingeschlafenen Beinen und durchnässten Schuhen wieder aufs Rad, um unserem langersehnten Ziel entgegen zu jagen.
In Uyuni angekommen, erwartete uns Sonnenschein und ein Heer von Touris (wir zählen uns mal nicht dazu,ne?).

Nach einer erholsamen Nacht in einem Zimmer ohne Fenster (das bedeutet nicht nur Dunkelheit, sondern auch Gestank!) freuten wir uns am nächsten Morgen über ein Wiedersehen mit Hugo, der die beiden Jungs für die nächsten Tage, bis zur bereits erwähnten Wahl, ersetzte.

Nun hieß es also tatsächlich mal plan (Claudia machte Freudensprünge), denn wir fuhren über den Salar de Uyuni, den größten Salzsee der Welt. Nach einem Tag und teilweiser Überquerung des Sees hielten wir am nächsten Morgen gleich einen Workshop in einer Dorfschule, bestehend aus ca. 7 Kindern. Durch versandete Wege, an den Berghängen machten wir uns auf nach Colcha K, wo der zweite Workshop mit einer aufgeweckte Schülergruppe auf uns wartete. Aufgrund der immer wieder beklagten Wahlen mussten wir am nächsten Tag mal wieder in den Bus, zurück nach Uyuni, um mit Hugo noch möglichst viele Workshops mit Schülern und Lehrern in Uyuni abzuhalten.

Schließlich mussten wir uns dann doch viel zu schnell wieder von Hugo, meinem (Julianes) persönlichen Lieblingsalpaka verabschieden.

Dafür hatten wir das Vergnügen, für die darauffolgenden Tage Sebastian, Claudias Freund, als Mitfahrer zu gewinnen.

Und ein zweites Mal ging’s bei üblem Gegenwind über den Salar, mit 2 Übernachtungen auf mit Riesenkakteen bewachsenen Inseln, und an Tag 3 wieder ans Festland, ins Dörflein Tahua, dass mit einem übermächtigen Vulkan einige Kilometer entfernt, einen grandiosen Anblick bot.
Dem Reiz, den Blick von oben zu geniessen, konnte sich Seba natürlich nicht entgehen lassen, weshalb er am nächsten Morgen 5Uhr mit einem kaputten Schuh losstiefelte, während wir einen entspannten Tag im Dorf verbrachten.

Aufgrund von Sturm und nächtlichen Regengüssen erwachten wir am nächsten Morgen und wurden von einem eingeschneiten (!!) Vulkan sowie einer dicken Wasserschicht auf dem Salar überrascht.
Der Rückweg per bike hatte sich damit erledigt. Doch glücklicher Weise (wie hatten einiges Glück an diesem Tag!) erklärte sich eine halbe Stunde später ein leerer Lastwagen bereit, uns mit nach Uyuni zu nehmen, von wo aus wir unerwarteter Weise direkt einen Anschlussbus nach Potosi fanden.
Nun hieß es Abschied nehmen von dem Pärchen, und nach einer nervenaufreibenden Räder-auf-dem-Busdach-befestigen-Aktion sassen wir im Bus, der unsere vor 2 Wochen gefahrene Strecke zurückfuhr. Dies sorgte nicht nur für ein Schwelgen in Erinnerungen,sondern bot Seba auch die Möglichkeit, verloren gegangene Dinge wieder zu beschaffen; eine Machete, eine Zahnbürste und eine fast volle Ajona (sehr wertvoll!).

Nun sind wir also wieder in Potosi.
Ellen versucht seit Tagen erfolglos ihren Flug zu bestätigen, Seba sitzt am Rechner, recherchiert Tag und Nacht und Jule plant ihre nächsten Reisemonate. Nebenbei putzen, ordnen und organisieren wir die letzten Dinge, bevor in La Paz Etappe 2 tatsächlich endet.

Ellen und ich sind uns einig, dass die letzten 4 Monate die wohl intensivste Zeit unseres Lebens war, mit so vielen eng aufeinanderfolgenden Hochs und Tiefs, Grenzerfahrungen und Herausforderungen durch die Landschaft und das Team.

Hart, aber auf jeden Fall lohnenswert!

zurück