Per Schiff von Lima nach Manaus – ein Wasserwege-Report

Lima, Tingo Maria, Pulcallpa, Tamshiyacu, Iquitos, Santa Rosa, Tabatinga, Manaus

Malariaprophylaxe

Falls ihr euch entscheidet, Malariamedikamente zu nehmen, MALARONE gibt es in ganz Peru nicht zu kaufen (kann allerdings bestellt und importiert werden- kostet natürlich noch mehr als daheim)!!! Chlorochin gibt’s hingegen überall, es hatte bei uns keine Nebenwirkungen, ist aber wahrlich die absolut bitterste Pille, die wir je geschluckt haben (keine Schutzummantelung, für Leute mit Pillenschluckproblemen sind diese peruanischen Fabrikate ein No-Take!). Abgesehen davon, dass es der älteste Wirkstoff ist und somit die Wirksamkeit wegen der vielen Resistenzen seitens der Mücken auf nur 50 % geschätzt wird.

Witzigerweise waren wir die einzigen Gringos die überhaupt was genommen haben. Alle anderen, egal ob Kurz- oder Langzeitreisende haben abgewunken. Tatsächlich: quantitativ so viele Mücken, wie man in Europa an einem Abend haben kann – sagen wir mal auf einem südfranzösischen Campingplatz am Abend – haben wir in der ganzen Zeit im Amazonasgebiet nicht gesehen. Allerdings waren wir auch nur 3 Tage „wirklich“ im Regenwald. Den Rest in Städten bzw. auf dem Boot auf den Flüssen unterwegs. Und dort konnte man sich auch mit gezielten Sprühchemieeinsatz und mechanischen Stechschutz schützen.

LIMA nach TINGO MARIA

Da es in Lima keinen zentralen Busbahnhof gibt (!?), ließen wir uns mit Taxi zur Straße „28 de Junio“ fahren. Dort sind alle Firmen versammelt, deren Busse in Richtung Nordosten fahren.

Um 8.30Uhr nahmen wir, erstmals OHNE Räder, den Bus der BAHIA CONTINENTAL nach Tingo Maria, weil wir hörten, dass das cleverer sei, als mit der Konkurrenz „xxx“ direkt nach Pucallpa zu fahren.

Wir gönnten uns den Luxus, für den Aufpreis von 5 Soles (55 statt 50 Soles) ein Ticket in der ersten Klasse zu kaufen. Da die vorherige Nacht aufgrund von Laptopschwierigkeiten für Sebastian schlaflos verlief, genossen wir die bequemen Sitze, die in fast waagerechte Liegeposition mit viel Beinfreiheit gebracht werden konnten.

Auf der anderen Seite war man im unteren Teil des Doppeldeckerbuses derart abgeschnitten von der Außenwelt, dass man so gut wie nichts mitbekommen hat vom Landschaftswechsel von öde-arid nach dschungelig-grün.

Inklusive einer Reifenpanne kamen wir 22Uhr im nächtlichen Tingo Maria an.

Die direkten Busse nach Pucallpa fahren bloß um 14 Uhr ab, d.h. man verliert ggf. einen halben Tag. Man käme mit Ihnen allerdings morgens ca. um 8 in Pucallpa an. Es sind einfache semi-cama Busse, d.h. bessere Sicht auf die Landschaft und weniger Erholung während der Nacht. Ggf. bieten die aber auch Cama-Sitze an. Einfach mal anfragen.

Was „intelligenter“ sein kann, als den Direktbus für ca. 80 Soles zu nehmen: abends mit einem der stärker konkurrierenden Unternehmen für 30-50 Soles nach Tingo Maria fahren, dort morgens ankommen, den Tag dort im lokalen Park verbringen (für Sehenswürdigkeiten einfach nach „Tingo Maria“ googlen) um dann abends für 25 Soles in der Summe günstiger die Reststrecke in einem alterschwachen Bus nach Pucallpa zurück zu legen. Da gab´s in unserem Fall keine Klimaanlage mehr und es war recht abenteuerlich. Gibt wohl auch bessere semi-cama Busse für 30 oder 35 Soles.

Ansonsten gilt für fast alle Busse in Peru und Brasilien: immer genügend Pullis und Decken mitnehmen. Die Klimaanlage wird i.d.R. übertrieben.

Tickets sind im Zweifelsfall einen halben Tag vorher schon ausverkauft, zumindest zu Vielfahrzeiten.

TINGO MARIA nach PULCALLPA

Nach einigem Rumfragen fanden wir unverhofft 500m von unserem Dropout entfernt, einen Bus, der gerade eine Essenspause einlegte, und uns für 25 Soles nach Pulcallpa mitnahm.

4.50Uhr am nächsten Morgen kamen wir an und wurden von einem Motocar (einer Art motorisierten Rikscha) für 5 Soles bis zum Hafen gefahren. Auf dem Weg dorthin befindet sich ein Bankenviertel, an welchem wir uns für die vor uns liegenden Ausgaben mit genügend Geld versorgen konnten.

PULCALLPA nach TAMSHIYACU

Vom Hafen aus gehen täglich Schiffe nach Iquitos. Auf schwarzen Schiefertafeln stehen Abfahrtstag und Uhrzeit. Diese Angaben dürfen allerdings nicht zu ernst genommen werden. Unsere Abfahrtszeit verlegte sich von 17.30Uhr spontan auf 10.30Uhr und den Hafen verließen wir schließlich 15.30Uhr. Die Schiefer-Angaben sind alle stets „Sin falla“ – ohne Irrtum (-; wie es geschrieben steht.

Auf dem Schiff (eine so genannte Lancha) gibt es alles, was man braucht:

Ein Ticket für 80 Soles, eine Hängematte für 15-25 Soles, eine Tupperdose für die immer ziemlich breiförmigen Essen mit einem Löffel für 3 Soles. Auch Klopapier, Zahnpasta,Cola, Bier, Chips, Cracker, Dosensaft, kann man vor Ort erwerben.

Nach 3 Nächten verlassen wir auf dem kleinen Beiboot das Schiff, um uns nach Tamshiyacu bringen zu lassen, dem letzten größeren Ort vor Iquitos. Zwar hielt unsere Lancha hin und wieder an kleinen Dörfern am Fluss, aber es war selten Zeit für einen ausgiebigen Landspaziergang und Fotos. Also wurden wir gegen Abend in Tamshiyacu abgesetzt, machten mit einem Motocar für 10 Soles eine kommentierte Stadtrundfahrt mit Ausflug zur Dschungel-Lagune. Wir quartierten uns für 20 Soles in der Hospedaje „Acosta“ ein. Unter der Woche, wenn die Disko nebenan nicht gerade bis 3 Uhr lärmt, hätte es auch ein Ehebett für insgesamt 10 gegeben, sie hieß, meine ich Hospedaje Salvador.

TAMSHIYACU nach IQUITOS

Nach einer Einladung zu einem Frühstück mit Kakao und Butterbrötchen (eine örtliche Partei rührte schon mal die Werbetrommel für die Wahlen im Oktober) fuhren wir mit einem „collectivo“, einem Boot, das erst losfährt, wenn auch der letzte Platz besetzt ist, für 15 Soles nach Iquitos.

Dort angekommen trafen wir auf dem Plaza auch gleich unsere argentinischen Freunde, die wir auf der letzten Lancha kennen gelernt hatten, wieder. Auf deren Anraten quartierten wir uns im Hostel „Cristal Corazon de Amor“, in der Calle Nanay Nr. 130 ein. Ein gemütliches Doppelzimmer mit orthopädischen Matratzen (echt gute, harte Baumwollmatratzen), ein sauberes WC mit Badewanne (!!!) und eine schöne Wohnküche mit Kühlschrank – alles für nur 15Soles pro Person. Leider sind die Zimmer fensterlos und somit bei der herrschenden Hitze extrem stickig. Es gibt laute Ventilatoren. Weiterhin werden individuelle Touren durch den Dschungel angeboten. Dabei kostet ein Tag zwischen 100-150Soles (in Leticia kostet ein ähnliches Angebot ca. 100 $ pro Tag!!!). Die Besitzer, die gleichzeitig auch die Touren durchführen, sprechen gut Englisch und sind sehr engagiert im Bewahren der Natur und der Dörfer. Die Besitzerin/Ausstatterin und Initiatorin des Ganzen ist eine Amerikanerin.

Leider nahmen wir uns nicht die Zeit dafür, fuhren stattdessen zu einem Hafen, um von dort einen Halbtagesausflug zu machen. Die sich im Preiskampf unterbietenden Bootsfahrer offerierten uns zu dritt für 20 Soles in ein 1,5 Stunden entferntes „indigenes“ Dorf zu fahren, dann zu einem Zweiten und schließlich in einen Zoo.

Real sind wir ca. 10 Min gefahren, wurden an einem Flussarm von einem Mann in Lendenschurz begrüßt, sollten 20 Soles pro Person bezahlen, um ca. 10 angeblich dort lebende „Indigenos“ tanzen zu sehen und wurden mit reichlich Ketten behangen, die wir später (am besten alle) kaufen sollten. Ein einziges Theater.

Auf den Besuch eines zweiten Dorfes verzichteten wir dankend, und fuhren direkt zum Zoo. Dieser kostete weitere 10 Soles Eintritt und bestand aus einer Anlage aus Pfählen, in deren viel zu kleinen Gehegen Faultiere, Anacodas, ein Papagei, eine Schildkröte und einige andere Tiere lebten. Diese waren alle fast schon zu zahm, so dass wir vermuteten, sie werden entweder mit Beruhigungsmitteln gefüttert oder haben schlichtweg allen Lebenswillen verloren…Dass es sich um nicht adäquate Unterbringung handelte und dass wir dies mit unserem Eintritt subventionierten hatten wir leider nicht bedacht.

So war unser Schnäppchen-Ausflug dann doch gar nicht mehr so günstig und nicht sehr lohnenswert.

IQUITOS nach SANTA ROSA

„Rapidos“ (Schnellboote) zur Grenze nach Santa Rosa fahren für 65$ täglich, außer montags!! Dies erfuhren wir, als wir Montag um 5Uhr morgens mit Sack und Pack am Hafen standen. Sie brauchen 12 Stunden, während die Lanchas, die 3-4mal wöchentlich fahren, 3 Tage (in unserem Fall Montagabend los und Mittwoch früh an) benötigen. Wir fuhren mit „Gran Diego“ für 50 Soles (Preise der Lanchas differieren, die Fahrt kann bis zu 80 Soles kosten), einem Kahn ohne Auspuffrohr (das hieß ordentlich Ruß in Lunge und Klamotten für alle hinten Hängenden wie uns und ohne Ohropax: tötender Lärm), dafür mit Bar und gewohnt einfachen Sanitäranlagen und wesentlich mehr Hängematten auf gleichem Raum. Kein Genuss.

SANTA ROSA nach TABATINGA

Ein reines Grenzkaff zur Abfertigung der Reisepässe. Es gibt wohl Herbergen aber mir war nicht ersichtlich wofür.

Für 5 Soles fahren „collectivos“ nach Letitia (Kolumbien) oder Tabatinga (Brasilien).

In Letitia, einem von Tourismus geprägten Städtchen, kann man diverse Touren in den nahe gelegenen Nationalpark unternehmen. Diese kosten allerdings wesentlich mehr, als in Iquitos. Ein Eintagesausflug bis zur Isla de los Micos kostet 90 000 kolumbianische Peso (ca. 32 Euro), bis nach Puerto Narino 120 000 Peso (ca. 43 Euro). Die Touren starten stets morgens gegen 8Uhr und werden von den beiden größten Hotels als Reiseveranstalter angeboten. Wer etwa 400 $ für eine durchaus interessant klingende 5 Tagestour in den nördlich gelegenen Nationalpark machen möchte, die sich ganz sicher von der oben in Iquitos beschriebenen Indigena-Prostitution abhebt, der lasse sich in einem der kleineren Reisebüros ein Angebot machen. Sehr seriös, wenig aufgeregt und sympathisch empfanden wir die beiden Herrn im Hinterhof einer der günstigsten Herbergen (Name: irgendwas mit „Marina“ nicht Hospedaje Marina, aber wenn ihr die Moto-Taxisten fragt, die wissen schon Bescheid. Die Nacht für ein Doppelzimmer hätte 35 000 Peso gekostet).

TABATINGA nach MANAUS

WICHTIG: In Brasilien ist es eine Stunde später, als in Peru und Kolumbien!!!

Vor der Weiterfahrt muss man spätestens an der Grenze sein Geld in Real tauschen (innerhalb Tabatingas gibt es keine Wechselstuben) und sich anschließend bei der Policia Federal seinen Einreisestempel holen. Diese hat von 12 bis 14 Uhr Mittagspause und sicherlich auch sonntags zu. Weiter nach Manaus geht es dann entweder mit einem Schnellboot in 2 Tagen für ca. 320Real, oder einer Lancha. Wir nahmen eine Lancha, die in Brasilien „barco“ genannt wird (legen nur mittwochs und samstags ab!!!) für 170Real, die innerhalb von 4 Tagen (Mittwochabend bis Samstagabend) nach Manaus fährt. Zwar sind die Duschen besser, es gibt Trinkwasser, eine Bar mit Eis und alles macht einen besseren Eindruck, jedoch sind durch das Zusteigen immer neuer Mitfahrer an jedem Hafen wieder Zustände, in denen sich der Raum zur persönlichen Verfügung auf ca. 2 Kubikmeter beschränkt und Flüchtlingslagerstimmung aufkommt.

55Soles         Bus Lima- Tinga Maria

25Soles         Bus Tinga Maria- Pulcallpa

5Soles           Motocar zum „Porto Henry“

80Soles         Lancha Pulcallpa- Iquitos

50Soles         Lancha Iquitos- Santa Rosa

5Soles           Boot Santa Rosa- Letitia/Tabatinga

Ca. 6Real      Mototaxi bis zur Ablegestelle der Lanchas in Tabatinga

(Vorbei an der Policia Federal, Visum holen!)

170Real         Lancha Tabatinga- Manaus

­­220 Soles und 176Real                                                     Wechelkurs Januar 2010:

1 Euro – 4 Soles

1 Euro – 2,5 Real

Gesamtkosten Lima- Manaus:

55 + 70 = 125Euro

Von Manaus nach Belem

Barcos fahren in 3 Tagen für ca. 150 Real nach Belem, was man so im Internet ließt, scheint es ähnlich wie auf der Strecke nach Manaus zu sein.

zurück